Dienstag, 30. August 2016

Continental-Frühstück


Beim Einchecken im Hotel in Düsseldorf fällt mir auf, dass die Zeiten endgültig vorbei sind, in denen es ein reichhaltiges kostenloses inklusives Frühstück gab. Es ist jetzt exklusiv – und zwar ziemlich, denn es soll 11,- € kosten. Okay, wenn ich das Rührei mit Speck, die Bohnen und Würstchen und diese ziemlich esoterischen aromatisierten Getränke zu mir nehme, ist der Preis sicherlich gerechtfertigt. Aber für mein Marmeladenbrötchen mit Kaffee ist es schlichtweg zu teuer. Ich verhandele. Auch wenn der Verlag das Frühstück bezahlt, will ich nicht für alle Rühreimitspeckesser mitbezahlen. Und sieh an, es gibt tatsächlich auch ein anderes Frühstück. Continental. Es ist streng limitiert und wird überwacht. Aber bei meiner jahrelangen Frühstücksgewohnheit komme ich ganz bestimmt nicht über das Limit.

Mittwoch, 24. August 2016

Musik der 80ger


„Und jetzt machen wir noch was zum Entspannen“, sagt die Trainerin nach dem Spinning-Kurs, (der übrigens mit den neuen Schuhen richtig gut verlaufen ist). Und dann kommt Musik und alle seufzen beglückt und winken mit den Armen. Take That, wie ich erfahre. Den Song habe ich noch nie gehört. 
Bei Musik wird mir immer bewusst, dass ich einem ganz anderen Semester angehöre, als die jungen Trainer und die oft noch viel jüngeren Teilnehmer der Kurse. Die Popmusik der 80ger und 90ger ist spurlos an mir vorüber gegangen. 1985 wurde unser Sohn Alexander geboren, 1987 Nils und 1989 Benny. In diesen Jahren war es bei uns zu Hause so laut und stressig, dass sich jeder weitere Lärmpegel von selbst erledigte. Und wenn, dann hörten wir Rolf Zuckowski oder auch das Sams als Hör-CD.
Von Take That habe ich nichts mitgekriegt, den Namen Falco hatte ich noch nie gehört und dass Modern Talking so wahnsinnig bescheuert aussah, habe ich erst vor einigen Jahren erfahren (und mich immer gefragt, warum sich Dieter Bohlen nach so einer jämmerlichen Musikkarriere über andere lustig macht). Jede Generation hat eben ihre Musik – und nur selten ist sie so unsterblich, wie man sich immer einbildet.
Mozart, die Beatles und Heino sind da doch einzigartig. 

Sonntag, 21. August 2016

Ich spinne wieder



Kinder, jetzt guckt euch doch mal meine neuste Errungenschaft an! Wahrscheinlich denkt ihr jetzt: Oh Gott, wie ist die denn drauf? Solche klobigen Dinger. Aber hej, es sind Spinningschuhe –  und dazu noch die ersten meines Lebens. Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich sie mir wirklich kaufen soll. Schließlich sind sie nicht so billig – und ich gehöre nicht zu den Sportlern, die zu jeder Sportart auch die passenden Schuhe und Klamotten brauchen. Aber jetzt, nach zwei Jahren Spinning wollte ich endlich wissen, ob man tatsächlich anders mit diesen Schuhen fährt.
Leider kann ich sie erst am Dienstag testen – da ist wieder Spinning-Kurs – aber ich freue mich total drauf.
Danke auch an den netten Menschen von Youtube, der mir gezeigt hat, wie ich die Cleats unter die Schuhe schraube. Seitdem weiß ich auch, dass diese Metallplatten Cleats heißen.
Mein nächster Traum wäre ein Trekkingbike … aber bald ist ja wieder Weihnachten. 

Dienstag, 16. August 2016

Multi-Kulti


Nach sechs Wochen brandenburgischer Ruhe und Einsamkeit fahre ich mit dem Nahverkehrszug ins Ruhrgebiet. Es ist wie ein Kulturschock.
Neben mir sitzt ein junger Mann, der sehr indisch aussieht. Er hört Musik und hat die Augen geschlossen. Mir gegenüber auf dem Vierersitz hat eine arabische Familie Platz genommen. Die Kinder sind müde und quengeln, die Eltern zeigen sich geduldig. Ich lausche ihrer Sprache. Sie klingt weich, obwohl sie viele ch-Laute hat. Dann schlafen die Kinder ein, eingekuschelt in den Armen der Eltern.
In Dortmund stürmt eine afrikanische Mädchengang das Abteil. Alle vier mit wilden, punkigen Frisuren, Rastazöpfen, Knoten, Strähnchen. Sie lachen viel und sprechen in echtem Ruhrpottslang. Ein junger Türke hört seine Musik so laut, dass man sie verstehen kann. Sie klingt klagend und fremd. Zwei Kopftuchmädchen unterhalten sich in Deutsch über eine Mathearbeit. Gleichungen mit zwei Unbekannten. Nur der junge Mann am Ende des Ganges sieht ziemlich deutsch aus. Als ich aber auf seinen Kindle schaue, sehe ich, dass er ein englisches Buch liest.
Dieses bunte Multi-Kulti hier im Zug ist so normal und unaufgeregt, so interessant und lebendig. Das Wort Überfremdung zielt völlig am Alltag vorbei.  

Freitag, 12. August 2016

Ende des Sommers


Nun geht für mich allmählich und mit kleinen Unterbrechungen die Camping-Saison zu Ende. Sonntag geht es für eine Zeit nach Hause zurück. Ein paar schwierige, aber spannende Schreibaufträge warten auf mich, die ich nicht im Wohnmobil schreiben kann und möchte.
Wie immer nach einer langen  Zeit des Abtauchens fürchte ich mich ein bisschen vor den Postbergen und dem Alltag. Aber ich freue mich auch auf die Badewanne und mein kuscheliges Bett.

Freitag, 5. August 2016

Sprachlos



Seit einiger Zeit fühle ich mich seltsam sprachlos. Ich sitze hier mitten in der vergnügten Urlaubswelt eines Campingplatzes, schaue durch das Fernsehen auf all die schrecklichen Attentate, die in der Welt geschehen, blicke auf die Flüchtenden, die mit ihrem Wenigen, was sie bei sich tragen zu entkommen versuchen, sehe die Drohenden, die mit Panzern und Waffen die Straßen kontrollieren. Ich schaue auch auf die Menschen bei uns in den Straßen, die Pokemon Go spielen, den Blick auf das Handy gerichtet und frage mich, wie ich eigentlich dazu stehe, welche Meinung ich zu den Dingen habe und ob das eigentlich irgendjemanden interessiert. 

Sonntag, 24. Juli 2016

Auf der Suche nach dem Platz


Schreiben kann man überall – so lautet mein Spruch, wenn ich nicht zu Hause bin und trotzdem schreiben will und muss. Und dann lasse ich mich mit meinem Laptop mal hier und mal da nieder – warmes Plätzchen, Stuhl, Tisch … passt schon. 
Ich bin ja im Moment auf dem Campingplatz meines Sohnes im Spreewald und hatte mir unser Wohnmobil als Arbeitsplatz ausgebaut. Nun kam eine befreundete Familie zu Besuch, der ich das Wohnmobil zum Schlafen überlassen hatte. Kein Problem, dachte ich. Schreiben kann man überall.
Und dann verzog ich mich in ein Büro zurück. Aber hier saß schon jemand am Nachbarschreibtisch, der immer mal wieder telefonierte. Also zog ich ins Restaurant um, das morgens leer ist, aber hier dudelte Musik und die Kaffeemaschine piepste immer wieder. Also zog ich in einem Teil der Rezeption um, aber immer wieder kamen Menschen am Fenster vorbei, winkten und grüßten, oder schauten mal auf einen kurzen Gruß rein…
Und noch etwas anderes störte mich: scharfe Tischkanten. Ein Bürotisch muss abgerundete Ecken haben, sonst schlitze ich mir meine Unterarme auf.
Heute nun sind die Freunde abgefahren, und ich kehre beglückt an meinen Arbeitsplatz zurück. Ihr merkt es an dem Post. Das Schreiben hat wieder die altbewährte Leichtigkeit. 

Dienstag, 12. Juli 2016

Die Traumhochzeit

 
Es war immer der Wunsch meines Sohnes Nils und seiner Partnerin Julia, eine richtig tolle Traumhochzeit zu feiern, mit romantischer kirchlicher Trauung, schicker Location und leckerem Essen, mit DJ und ein paar spannenden Events. 
Mach das bloß nicht, redeten wir mit Engelszungen auf ihn ein. Nicht so viel Gewicht auf einen Tag. Nachher hast du eine Migräne oder eine Magen- und Darmgrippe, oder zumindest einen Pickel auf der Nase.
Doch Nils war sich in seinen Hochzeitsvorstellungen ganz sicher – schon allein, um sich gegen die eher improvisierten Hochzeiten seiner Brüder abzuheben.
Und dann wurde es tatsächlich eine sehr wohl überlegte und geplante Hochzeit, die aber unglaublich lustig und aufregend war. Und für die beiden wurde es, was sie sich immer gewünscht hatten: Ein ganz herausragender Tag in ihrem Leben.
Ich habe beim Fotoshooting noch mitfotografiert, als es dann aber lebendig und aufregender wurde, habe ich das Fotografieren irgendwie vergessen. Ein gutes Zeichen … und gleichzeitig schade… Aber es wird ja wohl jemanden geben, der diese Momente festgehalten hat – hoffe ich.