Donnerstag, 21. September 2017

Freundinnenbesuch


 

„Wie schön das hier ist!“, rufen meine Freundinnen begeistert, als sie mich in meiner Stadtschreiberwohnung im Brühl besuchen. Interessiert gehen sie von Zimmer zu Zimmer, bestaunen schließlich den Blick aus dem Fenster auf die Altstadt.
Meine Freundinnen Ulla und Maria aus Paderborn haben sich im Augustinerkloster einquartiert und sind ganz erfüllt von der Ruhe und der ungewöhnlichen Stimmung, die diese Unterkunft bietet.


Wir starten einen Bummel durch Gotha. Ich führe sie die Erfurter Straße entlang, dann über den Ekhofplatz bis zur Friedrichstraße, weiter durch den Park der Orangerie. Dann geht es unterhalb des Schlosses durch den Englischen Garten auf den Hauptmarkt zurück, einen Schlenker über den Buttermarkt und zurück über die Erfurter Straße zum Brühl. Meine Freundinnen sind begeistert. Sie haben den Eindruck, dass Gotha ziemlich groß ist und dass man schnell die Orientierung verlieren kann.
Abends bei Sekt und schönem Essen besprechen wir all die spannenden Dinge, die nur Freundinnen miteinander besprechen können. Es wird spät und als ich sie abends durch das Treppenhaus zur großen Holztür begleite, ist allen ein bisschen unheimlich zumute.

Am nächsten Tag wünschen sie sich einen schönen Spaziergang, möglichst ohne Auto zu fahren, aber mit Ausblick auf Gotha.  Wir wandern zum Kranberg hinauf und besichtigen Gotha vom Bürgerturm aus, lassen uns dann im Berggarten auf einen Kaffee nieder. Das Wetter ist auf unserer Seite. Die Sonne scheint uns liebevoll ins Gesicht. Auf dem Rückweg ist besonders Ulla als leidenschaftliche Walnussesserin überwältigt von den vielen Walnussbäumen, die den Weg zieren. Wir brauchen für den Abstieg fast zwei Stunden…

Mir hat es Spaß gemacht, meine Heimat auf Zeit zeigen zu können und mich daran zu erfreuen, dass sie auch anderen gefällt.  

Montag, 18. September 2017

Und wieder eine Gestalttagung

 

Alle zwei Jahre steht sie wieder an, die Tagung für Gestaltpädagogik. Da ich eine lange Ausbildung in Gestaltpädagogik gemacht habe, fühle ich mich dieser Gruppe noch immer ganz stark verbunden, auch wenn ich schon so lange nicht mehr in der Schule bin. Darum mache ich mich auch diesmal wieder auf den Weg zur Tagung, die in Weilburg stattfindet.
Es ist nicht zu übersehen: Auch die Gestaltpädagogik ist ein kleiner Kreis geworden, wie vielen Gruppen und Vereinen fehlt der Nachwuchs. Für mich ist das immer sehr traurig zu sehen, weil die Ausbildung zu den wichtigsten Dingen gehörte, die ich in meinem Leben gemacht habe, und ich ihr irgendwie zu verdanken habe, dass ich mein Leben recht gut auf die Reihe kriege.
Nun sind wir ein kleiner Kreis von 40 Teilnehmern, und trotzdem ist da diese Intensität, einander zuzuhören und aufeinander einzugehen. 




Viele tolle Workshops stehen an, ein interessanter Büchertisch vom Verlag Andreas Kohlhage ist aufgebaut, es gibt viele tiefe Gespräche, nebenbei leckeres Essen und abends ein lustiges und wildes Fest. Gestalt eben…
In einem Workshop über „Gestalt und das Lesen von Romanen“ finde ich mich plötzlich als Katniss Everdeen (Tribute von Panem) wieder. Das ist ein eindringliches Erlebnis.
Leider geben diese schlechten Handyfotos nichts von dem wieder, was man auf dieser Tagung erlebt, aber sie hatte zur Folge, dass ich die Rückfahrt behutsam antrat und den Abend nachdenklich bei einem Tee auf dem Sofa verbrachte.

Freitag, 15. September 2017

Und plötzlich rast die Zeit


„Alles wird kostbar durch seine Begrenzung“, pflegte ein lieber Freund immer zu sagen. Das spüre ich im Moment sehr. Am 12. November endet meine Stadtschreiberzeit in Gotha. Bis zum 12. November sind es noch fast zwei Monate, also länger, als die Sommerferien sind, versuche ich mir immer zu sagen. Aber es ist das typische Sommerferien-Phänomen. Am Anfang denkt man sich noch: Ist doch eine lange Zeit, und wenn die Hälfte erst mal rum ist, überschlagen sich die Ereignisse und das Ende rückt schmerzlich in Sicht.
Ich habe unendlich viele Termine, die auch so schön und spannend sind, dass ich ihnen nicht gerecht werde, wenn ich sie „Termine“ nenne. Es gibt so vieles zu sehen, so vieles, über das ich noch schreiben kann, viele Veranstaltungen, an denen ich teilnehme… und dann ist ja auch noch meine Premierelesung, bei der ich hier in Gotha mein Buch vorstelle.
Manchmal betrachte ich meine Wohnung und denke daran, dass ich das eine oder andere schon mal packen könnte – die Sommersachen, Bücher, die gelesen sind, Krimskrams, der sich angesammelt hat - nur für den Fall, dass ich in der nächsten Zeit noch mal nach Hause fahre… Das ist ein seltsames Gefühl.




Mittwoch, 13. September 2017

Zu Besuch bei den Rotariern


Den Rotary Club kenne ich auch aus meiner Heimatstadt von verschiedenen sozialen Projekten. Unter anderem verhalfen sie zwei netten Schülern aus meinem Sprachkurs portugiesisch zu einem Schüleraustauschjahr in Brasilien, was die beiden überglücklich machte. Schon das allein hat mich immer positiv für sie eingenommen.
An diesem Abend bin ich bei den Rotariern in Gotha eingeladen.
Zu meiner Verwunderung erwartet mich eine reine Männergruppe. Rotary sei aber schon lange keine Männerorganisation mehr, erklärte mir Sven Hertzschuch, der den Rotary Club in Gotha leitet. Aber überwiegend würden nach wie vor Männer zu den Treffen kommen.
Für mich ist das kein Problem. Im Gegenteil. Ich finde die Gruppe auf Anhieb interessant und klug.
Nach einem leckeren Abendessen erzähle ich ein bisschen von meinem Leben als Stadtschreiberin in Gotha, berichte vom Schreiben und meinen Büchern und schildere dann den Eindruck, den ich ganz subjektiv von Gotha habe, was schön ist, was mir aufgefallen ist, und was vielleicht noch zu verbessern ist.
Ein lebendiges Gespräch entsteht und setzt sich auch noch nach dem Treff für eine Weile fort. 


Dienstag, 12. September 2017

Wahlkampf

 
Als ich am Samstag vom Bahnhof in Mülheim an der Ruhr zum Verlag gehe, gerate ich mitten in den Wahlkampf. Die Parteien haben ihre Stände rund um den Platz gestellt, verteilen Flyer, Argumente und Werbegeschenke. Ich habe mich für euch ins Getümmel gestürzt und mal geguckt, was die Parteien so zu bieten haben.
Zuerst schaue ich bei der SPD vorbei. Hier bekomme ich einen roten Kugelschreiber.

Okay, seien wir ehrlich, so ganz einfallsreich ist es nicht, aber es gibt auch noch selbstgebackenen Kuchen, der ziemlich lecker aussieht und eine Kindermalaktion. Alles in allem sieht es am Stand aktiv und kreativ aus.
Gegenüber steht der Stand der AFD. Mutig schaue ich auch dort vorbei und entdecke einen pinkfarbigen Sticker, doch als ich die Hand danach ausstrecke, werde ich gleich in eine Diskussion verwickelt und mache mich hastig und ohne Sticker aus dem Staub.

Weiter geht es zur CDU. Die lassen sich nicht lumpen. Auch hier gibt es einen Kuli, diesmal in wildem Orange, außerdem einen Einkaufschip. Das sind alles ganz praktische und alltagstaugliche Dinge, und mit dem Chip gelingt es der CDU ja vielleicht sogar, die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Bei dem Keks überkommt mich allerdings die Sorge, dass ich ihn schon vor vier Jahren einmal bekommen habe. Aber abends muss ich dann feststellen, dass er gut schmeckt und frisch ist. Es ist offenbar eine Neuauflage von 2013.

Weiter geht es zu den Grünen. Ihre Wahlgeschenke sprechen mich am meisten an. Die Windmühle ist fröhlich, und ich beschließe, sie meinen Enkeln mitzubringen. Ist ja immer wichtig, dass man die Kinder frühzeitig für Politik interessiert. Außerdem gibt es hier eine Einkaufstasche aus grünem Stoff, auch das ist eine gute Idee. Ich nehme sie aber nicht mit, weil ich sie definitiv nicht brauche.
Gerne wäre ich auch noch zur FDP gegangen, aber sie glänzte durch Abwesenheit. Auch die Linken waren erst gerade damit beschäftigt, ihren Stand aufzubauen – verständlich, es war ja gerade erst 14.00 Uhr, und warum sollte man immer so früh aufstehen, um den Wurm zu fangen.
Gerade will ich weitergehen, da setzt ein wahnsinniger Regenschauer ein. Ich flüchte unter das Dach eines Einkaufszentrums und muss von dort zusehen, wie auch die Parteien fluchtartig ihre Sonnenschirme zusammenklappen und die Prospekte retten. Nur das Zelt der SPD ist regensicher, und die Kindermalaktion kann weitergehen.
Wenigstens einer, der in Krisenzeiten dem Wetter etwas entgegenzuhalten hat.


Sonntag, 10. September 2017

Autorentreffen beim Verlag an der Ruhr


Acht Jahre ist es nun her, seitdem wir Klar-Autoren uns gemeinsam am Verlag an der Ruhr kennen gelernt haben. Jetzt wurde es Zeit für ein Wiedersehen. Caroline Köhne, Jennifer Weingartz und Lisa Hartmann vom Verlag hatten ein schönes Programm zusammengestellt, und wir KLAR-Autoren Petra Bartoldi y Eckert, Florian Buschendorff, Armin Kaster, Kurt Wasserfall und ich waren aus verschiedenen Orten Deutschland zu diesem Treffen angereist.

Es gab eine nette Zeit für Gespräche am leckeren Fingerfood-Buffet, aber auch informative Rückblicke und Ausblicke auf gemeinsame Projekte, die sehr interessant waren, außerdem eine kreative Ideenschmiede, bei der wir unterschiedliche Meinungen und Ideen zusammentrugen. Besonders gemütlich war auch der schöne Abend bei mediterranem Essen in einem schicken Mülheimer Restaurant.


Ich hatte auch noch ein nettes nächtliches Plauderstündchen (oder auch zwei) mit Petra Bartoli in einer kleinen Kneipe an der Ruhr bei einem weiteren Gläschen Riesling.
Schön war`s, und ich danke euch allen für den schönen Tag, der noch einmal zeigte, wie gut und harmonisch die Zusammenarbeit zwischen uns ist. 

Freitag, 8. September 2017

Papas Prinzessin und der Starfriseur

 
 
Die Reihe der Comicromane geht weiter. Am 15. September erscheinen beim Hase & Igel-Verlag zwei weitere Comicromane:
„Wie ich nicht mehr Papas Prinzessin sein wollte … und die Soccermädels zum Sieg führte“ heißt der Titel des 4. Romans.
Dilaria ist die Prinzessin ihrer männlichen Familie. Sie hat ihre Mutter früh verloren und wächst mit ihrem Vater und ihren vier Brüdern auf. Alle vergöttern sie einerseits, bürden ihr aber gerne die Arbeit im Haus auf. Doch Dilarias Herz schlägt für den Fußball.


Der Roman „Wie Tamina mich abblitzen ließ … und ich der beste Friseur der Stadt wurde“ handelt von dem Afghanischen Flüchtling Farin, der von seiner Familie, die in München lebt, herzlich aufgenommen wird. Zum Dank hat er sich vorgenommen, seine Cousine Tamina zu heiratet. Doch Tamina hat andere Vorstellungen vom Leben, und so muss auch Farin neue Pläne entwickeln. Er macht ein Praktikum im Frisiersalon und bemüht sich, sich in Deutschland zu integrieren. Dann begegnet er Tamina wieder.

Alle Romane sind auch als gemeinsames Prüfpaket  zu erhalten.


Donnerstag, 7. September 2017

Akademiker



Ärzte legen immer einen besonders großen Wert auf ihren Titel. Darum achte auch ich bei der Anmeldung darauf, dass mein Dr-Titel mit in die Kartei aufgenommen wird.
Der Arzt ist aufmerksam. Er versucht, mich in ein medizinisches Gespräch zu verwickeln, erkennt aber schnell, dass ich passen muss.
„Ich bin kein Mediziner“, sagte ich.
Es folgt ein mitleidiger Blick.
„Immerhin Akademiker“, sagt er anerkennend. „Die Politiker sind ja leider immer weniger Akademiker, und das merkt man auch.“
Schulz zum Beispiel fällt ihm ein. Der habe letzthin Homer ganz falsch zitiert. Da merke man doch, dass der noch nie ein Buch gelesen habe.
„Ich denke, der war Buchhändler“, bemerke ich verwundert.
Aber auch da habe ich offensichtlich keine Ahnung. Der Arzt weiß es besser. Seine Schwester war Buchhändlerin und er habe dort nur ausgeholfen, erfahre ich jetzt. Und Alkoholiker sei er auch gewesen.
„Ach wissen Sie, ich finde Menschen immer viel interessanter, bei denen nicht alles glatt gelaufen ist“, sage ich. „Brüche im Leben sind doch spannend. Und wenn jemand eine schwere Lebenskrise bewältigt hat, ist das doch sehr anerkennenswert. Akademiker mit Akademiker-Eltern, möglichst noch gut betucht, das kann ja jeder“
Dem hat er nichts mehr hinzuzufügen.
Ich überlege, ob ich noch hinzufüge: „Schließlich bin ich Schriftsteller“, aber ich verkneife es mir. Sonst kommt er noch auf die Idee, mich Homer korrekt zitieren zu lassen.