Montag, 1. Oktober 2012

Jaja, das Alter




„Warum kaufst du dir keinen Rollator?“, fragte ich meine Tante immer mal wieder. Ihre Gehbehinderung nimmt zu. Es gibt Tage, an denen ihre Knie nicht mehr mitmachen. Manchmal knickt auch der Fuß weg.
„Ach Netti, Kind“, seufzt sie. Und dann folgt eine lange Erklärung, dass sie mit Stock und Einkaufstasche gut zurecht kommt und dass man mit dem Rolli so schlecht in den Bus kommt und überhaupt und irgendwie und eigentlich ist sie mit ihren 83 Jahren auch noch viel zu jung für so was.
Aber sie verlässt ihre Wohnung nur noch selten, und manchmal beschleicht mich das Gefühl, sie schafft es auch gar nicht mehr bis zum Sanitätsgeschäft.
Nun wird sie 84. Ich bespreche mich mit meiner Schwester. Wir legen zusammen, und ich kaufe einen mattsilbrigen Alurollator mit Vollgummibereifung, Sitzbrett und Körbchen.
„Ach Gott, Netti, Kind!“, ruft sie entsetzt, als ich damit vor der Tür stehe und „Herzlichen Glückwunsch“ rufe. Und dann wischt sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Ob vor Freude oder Traurigkeit … wer weiß das schon.
Ich demonstriere ihr die Handhabung, wie man bremst, wie man das Ding feststellt, wie man ihn zusammenklappt. Sie probiert vorsichtige Runden. Wird immer mutiger.
„Dann könnte ich auch mal meine Blumenkisten transportieren“, plant sie plötzlich. „Oder einen Sack Kartoffeln kaufen. Oder auch mal Waschpulver besorgen…“
Als sie nach dem Kaffeetrinken nur mühsam aus dem Sessel aufstehen kann, schiebe ich ihr den Rollator zu. Sie nimmt ihn dankbar an.

1 Kommentar:

  1. Manche ältere Leute muß man zu ihren Glück zwingen ,liebe Annette
    Mein Großvater hat viele Jahre hier mit im Haus gewohnt, den mußte ich auch immer vor vollendete Tatsachen stellen, dann hat er es akzeptiert und es war gut.
    So sind sie halt die älteren Menschen. Wer weiß, wie wir mal werden.

    Liebe Grüße und einen schönen Start in die neue Woche
    Angelika

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