Mittwoch, 28. Juni 2017

Treffen mit Mohannad

Mohannad Raslan und Carolin Köhne

Kennt ihr solche Momente? Ihr wartet auf jemanden, ihr wisst nicht, wie er/sie aussieht, ihr wisst nicht, ob er/sie sympathisch ist, ihr habt einige Male miteinander gemailt und jetzt müsst ihr euch eine Zeitlang miteinander arrangieren?
Ich sitze beim Verlag an der Ruhr, neben mir Carolin Köhne, Leiterin der Redaktion Sekundarstufe. Gemeinsam warten wir auf Mohannad Raslan, einen syrischen Jugendlichen, der nach Deutschland geflohen ist und nun mit seiner Mutter in der Nähe von Stuttgart lebt. Er hatte mich angeschrieben und gefragt, ob ich Interesse an seiner bewegten Biografie hätte – er würde nämlich so gerne einen Klar-Reality-Roman schreiben.
Einige Mails wechselten zwischen Mohannad und mir, ich las ein paar Kapitel von ihm und wusste gleich, dass er richtig gut schreiben kann. Jetzt treffen wir uns das erste Mal.
Die Tür öffnet sich und ein junger Mann tritt in den Raum, freundlich, vorsichtig, aufmerksam und mit einem Strahlen im Gesicht, sodass man ihn sofort gerne mögen muss.
Wir essen Brötchen und Kuchen, trinken Kaffee, reden, schauen uns aufmerksam an, lesen, gliedern, überarbeiten.
Und als der Nachmittag vorbei ist und wir uns alle voneinander verabschieden, weiß ich jetzt genau: Dieser neue Klar-Reality-Roman wird gut, er wird authentisch, er wird ehrlich, und er wird ganz sicherlich berührend sein.

Immer wieder liebenswürdig:
Die Begrüßungstafel im Verlag

Sonntag, 25. Juni 2017

Mein neues Fahrrad


Überkommt euch manchmal auch so eine Verzagtheit, wenn ihr euch etwas Neues kaufen wollt, ihr aber keine Ahnung von der Technik habt. Ihr wollt aber auch nicht wie Heinchen Blöd im Geschäft herumstehen und den Fragen des Verkäufers nicht gewachsen sein? Ich jedenfalls wollte mir so gerne ein neues Fahrrad kaufen, aber ich ertrank in den Infos der Fahrradfreaks im Internet und den Testberichten der Zeitschriften. So stand ich zwar einige Male schüchtern in einem Fahrradladen und wanderte zwischen den Fahrrädern hin und her, das war es dann aber. Ein lieber Freund und Nachbar nahm sich schließlich meines Problems an und erklärte mir am Beispiel seiner Räder ganz anschaulich, worauf es wann ankommt, und was sich für wen eignet und was nicht.

Mit neuem Mut zog ich los, probierte aus, schlief eine Nacht darüber, zog weiter und probierte neu. Nun habe ich zugeschlagen und mir ein schönes neues Bike zugelegt. Heute ging es auf eine 30-Kilometer-Teststrecke durch Brandenburg, vorbei an kleinen Dörfern, der Spree und immer wieder Storchennestern. Es war wundervoll!!!
(Und Udo, falls du den Blog liest, hab Dank für deine gute Beratung.)
Wie findet ihr es???)



Dienstag, 20. Juni 2017

Schutzengel



489 Kilometer Autobahnfahrt liegen vor mir. Nach hundert Kilometern Fahrt gibt mein Auto plötzlich seltsame Geräusche von sich. Es klingt zunächst, als wenn man über eine provisorische Fahrbahndecke fährt, ein dumpfes gleichmäßiges Brummen. So bleibt es lange Zeit, dann wird es allmählich lauter. Ich beobachte die Anzeigen – kein Lämpchen leuchtet irgendwo auf. Auch die Motorkühlung ist gleichbleibend. Mutig beschließe ich, weiter zu fahren. Es ist Sonntag, und ich habe keine Lust, auf irgendeinem Autohof stundenlang auf den ADAC zu warten.
Zuletzt ist das Auto total laut – aber ich komme auf dem Campingplatz meines Sohnes an, wenn auch schweißgebadet. Unser Platzarbeiter Florian übernimmt den Wagen, (perfekt, wenn man seine Angestellten hat), machte eine Probefahrt und untersucht die Räder. Dabei stellt er fest, dass am linken Vorderrad eine Radmutter fehlt und sich durch das Rütteln alle anderen Muttern auch gelockert haben.
In der vergangenen Woche hatte ich meine Reifen wechseln lassen. Da hat der KFZ-Meister wohl eine Schraube übergehabt.
Naja … kann ja passieren…  

Freitag, 16. Juni 2017

Häusle baue



Die Immobilienblase treibt täglich neue Blüten, besonders in den Großstädten, und führt dazu, dass diejenigen, die so dringend ein Haus mit Garten für ihre junge Familie brauchen, sich so etwas immer weniger leisten können.
Im Ruhrgebiet gibt es schon lange nichts Erschwingliches mehr. Wenn mal ein Haus angeboten wird, das irgendwie bezahlbar erscheint, muss man auf der Stelle zuschlagen und nicht lange überlegen: Oh wie riecht es denn hier – und ist vielleicht die Heizung alt – oder das Dach marode – oder der Keller feucht. Wenn man nicht auf der Stelle zuschlägt, macht es jemand anderes.
Mein jüngster Sohn lebt mit seiner Familie im Ruhrgebiet, und er wagte sich nun an einen Häuschenkauf – mit dem Erfolg, dass wir nun alle nach und nach auf der Leiter stehen, Kabel verlegen, Tapeten abziehen, Fliesen abschlagen, Badezimmer installieren und streichen. Es ist alles ein bisschen klebrig und muffig, aber das wird noch… Auf alle Fälle hat das Haus einen tollen großen Garten, und das hat ja schon mal eher Seltenheitswert im Ruhrgebiet.


Montag, 12. Juni 2017

To-Do-Liste



Wir haben noch keine 9.00 Uhr, und drei von neun wichtigen Punkten sind schon abgearbeitet. Wenn das so weitergeht, kann ich um 11.00 Uhr meine Schreibtischplatte hochklappen.
Wie anders ich doch arbeite, wenn ich mir morgens eine To-Do-Liste schreibe. Von „Romankapitel“ über „Quittungen in Steuertabelle einfügen“ bis zu „Arbeitsblättern für ein Kapitel schreiben“ ist alles dabei. Auch das Anrufen beim Radiologen gehört dazu. Wichtig ist nur, dass jeder Punkt überschaubar bleibt. Beim Roman gehe ich im 5-Seiten-Rhythmus voran, das Erstellen der Arbeitsblätter werden nie mehr als zwei. So kann jeder Punkt mit Schwung angegangen werden, ohne dass ich das Gefühl zu haben, mich in dem Tag zu verlieren. Auch „Blogbeitrag schreiben“ steht heute auf meiner Liste. Diesen Punkt kann ich aber nun auch streichen.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Wieder zu Hause



Es ist immer ein spannender Moment, wenn man nach einer langen Reise zurückkehrt, der Blick ins Wohnzimmer auf die Blumen und die Postberge, die blinkende Telefonanlage und das Spinngewebe. Ich bin wieder da. Das Gefühl weiß man zu schätzen, wenn man lange unterwegs war.
Die Rosen im Garten leuchten in allen Farben. Es ist Sommer geworden. Als ich letztes Mal hier war, habe ich noch Winterschuhe angehabt. Sie stehen nun etwas deplatziert im Schuhschrank und sehen genauso unpassend aus, wie der Winteranorak an der Garderobe.
Leider ist nicht viel Zeit zum Genießen. Ich habe eine strenge To-do-Liste: Arztbesuch, Autowerkstatt, Perso verlängern lassen … doch auch Verabredungen mit Freunden und Verwandten sind mehr als überfällig.
Bei meiner Joggingrunde um den See merke ich, dass ich ziemlich kurzatmig geworden bin. 

Sonntag, 4. Juni 2017

Schriftsteller und die Eitelkeit

Schriftsteller sind Künstler, und Künstler sind in der Regel eitle Menschen. Das liegt in der Natur der Sache. Sie wählen eine Kunst, mit der sie sich nach außen präsentieren, schon allein dazu muss man ein ziemliches Selbstbewusstsein haben. Dabei geht es nicht darum, verstanden zu werden, es geht einfach darum, den Menschen zu zeigen: Guck mal, das ist von mir.
Wenn man allein auf diese vielen seltsamen modernen Kunstwerke in Gotha schaut -allein im Brühl stolpert man gleich über zwei - dann hätte man doch gerne jemanden an seiner Seite, der einem mal erklärt, was sich der Künstler dabei gedacht hat (und ob er sich überhaupt etwas gedacht hat.)
Auch Schriftsteller können schrecklich penetrant sein. Viele nerven immer wieder damit, von ihrem neusten Roman zu erzählen, ich hatte sogar einen eitlen Bekannten, der an meinem Geburtstag aus seinem neusten Buch vorlesen wollte. Ich habe ihn nicht wieder eingeladen, schließlich hatte ja ich Geburtstag!
Wie es um meine persönliche Eitelkeit bestellt ist, kann ich nicht so genau sagen. Ich hoffe mal, dass ich nicht ganz so penetrant bin (als Frau und als Kinderbuchautorin), aber ich reagiere auch schnell total gekränkt, wenn jemand mein Schreiben kritisiert, und als mir vor kurzem mal ein Verlag das Cover meines neusten Buches als Vorschlag zuschickte, fiel mir sofort auf, dass mein Name falsch geschrieben war. Anette mit einem n. Das sieht aber auch wirklich unvollständig aus!

Eine Ausnahme unter den Schriftstellern muss Wilhelm Hey gewesen sein. Vielleicht lag es daran, dass er sein Schreiben in den Dienst der Pädagogik gestellt hat. Seine Fabeln und Gedichte sollten den Schülern die Freude an er Natur vermitteln. Auch kleine Lehren sind mit den Texten verknüpft, wie zum Beispiel, dass man die Natur schützen oder das schwächere Lebewesen achten muss.
Wilhelm Hey hat seine Texte nicht archiviert und sein Lebenswerk an eine Nachkommenschaft übergeben, die es schützen sollte. Er hat sich auch nicht in Tagebüchern verewigt. Über ihn etwas herauszufinden, ist kleinschrittige mühevolle Arbeit. Umso erstaunlicher, dass sich um diesen bescheidenen Mann, der vergänglich sein wollte, eine Gruppe an Menschen gebildet hat, die Nachforschungen über sein Leben angestellt haben und es zu einem kleinen und feinen Museum zusammengetragen haben.
An einem sonnigen Nachmittag im Mai besuche ich die „Wilhelm-Hey-Gesellschaft“ in Leina, wo der Pfarrerssohn aufgewachsen ist. Johann Wilhelm Hey hat kein einfaches Leben, verliert früh seine Eltern und wächst bei seinem Bruder auf. Er wird dann Lehrer, studiert schließlich Theologie und übernimmt eine Pfarrerstelle in der Nähe von Gotha. Mit seinen Fabeln für Kinder wird er weltbekannt. Sie werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es rührt mich, dass sich ausgerechnet um diesen bescheidenen Autor, der so gar kein Aufhebens von seinem Wirken macht, ein Kreis an Menschen gefunden hat, die sich um seinen Nachlass kümmern und ihn verwalten.
Ich sitze mit Dieter Vogel, Ingrid Schwarz und Christel und Reinhard Kratochwil zusammen bei Kaffee und Kuchen unter der großen Linde im schönen Garten im beschaulichen Leina und kann ein bisschen nachvollziehen, wie es ihm hier in dem Pfarrhaus gegangen ist. Später bekomme ich sogar noch eine unglaubliche Vorstellung von einem „Fabelhaften Heytheater“, wie die Gesellschaft es nennt. Hier sind Bilder auf einer Leinwand angebracht, die durch eine ganz besondere Mechanik an einem vorbeiziehen, während gleichzeitig der Text verschiedener Fabeln gelesen wird. Das ist wirklich eindrucksvoll.
Irgendwie haben diese netten Menschen der Wilhelm Hey Gesellschaft genauso viel freundliche Bescheidenheit wie der Dichter selbst, sodass man sagen kann: Wie schön, dass sie zueinander gefunden haben. Sie haben einander verdient.


Freitag, 2. Juni 2017

Pfingsten


 

Pfingsten steht an. Ich befinde mich zur Zeit wieder auf dem Eurocamp, dem Campingplatz meines ältesten Sohnes, bereit, mal wieder das letzte zu geben. Hier ist ab heute Nachmittag jede Hand, jedes Bein und vor allem jeder Kopf gefragt. Pfingsten bedeutet für jeden Campingplatz die Reisewelle schlechthin. Gruppen, Familien und Einzelpersonen sind mit Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs, besonders, wenn das Wetter schön ist. Wir sind bis auf den letzten Platz ausgebucht. Hoffentlich ist keine Panne passiert und es gibt eine Doppelbelegung. Dann muss der private Garten herhalten ; ))
Gestern haben wir noch mal genaue Arbeitspläne besprochen. Jetzt kann es losgehen.
Ich werde nur wenig zum Schreiben kommen, ein Gedanke, der mich immer ein bisschen ängstlich macht. Denn ein Tag ohne schreiben ist irgendwie fast ein bisschen sinnfrei, oder?