Dienstag, 24. April 2018

Zu Besuch in Pszczyna



Die letzte Station meiner Reise durch Polen ist eine hübsche Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna (spricht sich Ptschschöna). Hier am Lyzeum lädt man jeden Monat eine „besondere Person“ ein, um mit ihr über Berufe, Politik, Philosophie oder Kultur zu reden. Da mich die Lehrer und Schüler im vergangenen Jahr bei einer Lesung in Katowice kennengelernt hatten, meinten sie, es wäre doch schön, wenn ich in diesem Monat diese Person sein könnte (höhö!!!) Das hat mich sehr geehrt.

Ich habe dann in der Aula mit den Schülern, die schon sehr gut deutsch verstanden, von meinem Schreiben erzählt, meine Bücher vorgestellt und auch ein bisschen daraus gelesen. Dazu stellten viele Schüler interessante Fragen.
Auf den Fotos seht ihr mich im Gespräch mit der Fürstin Daisy von Pless, die ich auf dem Marktplatz getroffen habe ; )), außerdem mit der herzlichen Gastgeberin Aleksandra Dutkowska, eine der Deutschlehrerinnen, die mich eingeladen hat.


Samstag, 21. April 2018

Mal wieder in Polen



Nun melde ich mich mal wieder aus Polen. Ein Lyceum in dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna hat mich eingeladen. Lehrer und Schüler hatten mich im vergangenen Jahr an einer Schule in Katowice bei einer Lesung kennengelernt und mich gefragt, ob ich nicht auch mal zu einer Lesung an ihrem Lyceum vorbeikommen könnte.
Mein Mann und ich diskutieren eine Weile. Polen mögen wir beide sehr, und nach einigem hin und her beschließen wir, diese Lesung mit einem Kurzurlaub zu verbinden. Wir fahren zunächst nach Krakau und verbringen dort ein verlängertes Wochenende.

Krakau ist wunderschön. Das „Paris an der Weichsel“ wird es genannt, und das trifft es total. Die polnischen Städte haben irgendwie einen französischen Charme. Traurig ist leider nur, dass diese schreckliche deutsch-nationalsozialistische Vergangenheit hier so furchtbar zu spüren ist. Da bin ich fast froh, dass auch die Fabrik Oskar Schindlers  hier in Krakau stand.
Abends sind wir bei leckerem polnischen Essen und Klezmer Musik im jüdischen Viertel Krakaus essen, und das ist Gott sei Dank unglaublich lebendig und bunt.



Donnerstag, 19. April 2018

Deutsches Volksgut



Abends sitze ich noch mit Sohn und Schwiegertochter bei einem Sekt auf der Terrasse. Die Kinder liegen schon im Bett, dürfen aber noch ein Hörbuch hören. Nach zehn Minuten stehen sie beide wieder da. Das Hörbuch sei so gruselig. Da wäre eine Hexe, und die wollte den Hänsel im Ofen braten.
Ob man wirklich ein Kind im Ofen braten könnte?, fragt Tim ängstlich.
„So ein Quatsch!“, sage ich. „Das ist doch nur ein Märchen. Guck dir euren kleinen Ofen doch an. Da würde doch dein Popo noch rausgucken.“  Er ist einigermaßen beruhigt. Das Märchen aber wollen sie nicht weiterhören. Man einigt sich nun auf Bibi und Tina. Das ist ungefährlich.
Rotkäppchen! Da hätten sie ja wohl auch Steven Spielberg gucken können!

Montag, 16. April 2018

Als ich das Buch las



Um es gleich vorweg zu sagen: Ich lese sehr viel und sehr gerne. Dabei bin ich weder auf ein Genre, noch auf einen Autor festgelegt. Ich lese, was ich gerade geschenkt oder empfohlen bekomme oder was ich selbst entdecke. Allerdings muss ich zugeben, dass ich weibliche Autoren lieber als männliche lese.
Und ich muss euch auch beichten, dass die Zeiten, in denen ich ein Buch ganz entspannt lese, auch vorbei sind. Wenn das Buch so richtig gut ist, bin ich immer hin und hergerissen zwischen Neid und Bewunderung. Dann wünsche ich mir von ganzem Herzen, ich hätte auch so eine tolle Idee gehabt oder nehme mir vor, mal mehr an meinem Stil zu arbeiten, um meinen Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit zu erweitern. Wenn mir aber etwas an einem Buch unangenehm auffällt, habe ich Mühe, es weiterzulesen.
Auf der Suche nach einem neuen Buch streife ich durch eine Buchhandlung und gerate mit der Buchhändlerin in ein interessantes Gespräch. Sie rät mir eine Familiensaga in mehreren Bänden und ist sich ganz sicher, dass ich schon in der Nacht in das Buch abtauchen werde, um bereits am nächsten Tag den 2. Band zu kaufen. Ich freue mich sehr. Unsicher macht mich allerdings der männliche Autor, aber man soll ja auch Männern mal eine 2. Chance geben.
Das Buch ist seltsam distanziert geschrieben, und ich habe Mühe, einen Zugang zu bekommen. Die Sätze sind lang und wirken hölzern und konstruiert. Plötzlich fällt mir auf, dass in jedem 2. Satz eine Temporale Satzkonstruktion mit „als“ vorkommt. Als das bemerke, kann ich mich gar nicht mehr konzentrieren. Bei jedem neuen „als“ zucke ich zusammen. Ich frage mich, ob es stilistische Absicht des Autors war, oder ob der Lektor gepennt hat. Möglich ist natürlich auch, dass der Autor – typisch Mann – sich von der Lektorin – wahrscheinlich Frau - nichts sagen ließ und auf seine Als-Sätze beharrte.
Ich versuche, bei dem Buch am Ball zu bleiben und mehr auf den Inhalt zu achten, sage mir immer wieder, dass es in einem tollen Verlag erschienen ist und ein Spiegelbestseller ist. Aber das muss ich mir immer häufiger sagen, immer intensiver knirschen meine Zähne bei dem Wörtchen „als“.
Kurz vor dem Ende gebe ich auf. Zum 2. Band hat mich die Buchhändlerin nicht wiedergesehen.   



Mittwoch, 11. April 2018

Was es bedeutet, auf Lesereise zu sein



Lesereisen sind inspirierend und anstrengend zugleich. Jeden Tag befindet man sich an einer anderen Schule zum Lesen, dann geht es weiter auf die Autobahn. Ein neuer Ort, ein neues Hotel, ein neues Bett, früh aufstehen und die neue Schule suchen.
Trotz aller Anstrengung geht es in Österreich irgendwie gemütlich zu. Die Schüler sind sehr aufmerksam, die Lesungen sind gut organisiert, der Empfang ist freundlich und respektvoll.
Auch das Fahren macht Spaß, die Landschaft ist toll, das Wetter diesmal phänomenal, die Raststätten sauber. Niemand rast und überall gibt es einen Kaffee.
Die Orte, die ich anfahre, strahlen Lebendigkeit und Freundlichkeit aus. Fast überall bin ich mitten im Zentrum untergebracht. Natürlich gibt es immer ein bisschen Stress mit dem Parkplatz, dann aber bin ich überall gleich mittendrin im Geschehen. Das begeistert mich.

Montag, 9. April 2018

Über Wien in die Steiermark



Die Lesereise beginnt in Wien. Ich bin in eine Multikultischule geraten. Alle Hautfarben sowie Kopftücher in zahlreichen Variationen sind vorhanden, alle Schüler verfolgen die Lesung total ruhig und aufmerksam und alle – und das ist irgendwie witzig – sprechen mit einem Wiener Akzent. Eigentlich ist es ja total logisch, aber es ist trotzdem immer wieder eine Überraschung.
Von Wien aus geht es weiter in die Steiermark. Ich liebe es, durch Österreich zu fahren. 130 ist das perfekte Autobahntempo, die Raststätten sind sauber und überall gibt es einen Kaffee.
Am frühen Mittag komme ich in Frohnleiten an, und obwohl ich mir das Städtchen im Internet angeschaut habe, bin ich total überrascht, wie hübsch es ist. Eine besondere Überraschung bietet mein Hotel. Mein Zimmer hat einen kleinen Balkon und ich habe einen schönen Blick auf die Mur. So habe ich nachmittags tatsächlich ein bisschen Urlaubsfeeling.


Samstag, 7. April 2018

Unterwegs nach Österreich



Nun bin ich wieder unterwegs, eine Lesereise durch Österreich steht an. Die erste Station wird Wien sein, und weil die Fahrt zu weit ist, suche ich mir eine Unterbrechung für die Nacht. Meine Lieblings-Internetseite für die Suche heißt dabei: „Links und rechts der Autobahn.“ Hier habe ich schon schöne und vor allem zweckmäßige und preiswerte Übernachtungen gefunden. Diesmal suche ich links und rechts der A 3, auf Höhe Passau und lande in einem schönen Gasthof in einem bayrischen Örtchen. Zwiebelturm, leckere Brotzeit, ein kühles Helles und ein zügiger Internetanschluss – alles da.

Mittwoch, 4. April 2018

Die Pädagogisierung des Kinderbuches



Sehe nur ich das so, oder ist die Belletristik für Erwachsene irgendwie gruseliger, sadistischer, dramatischer und satirischer geworden? Ein Krimi, in dem ein Detektiv ermittelt und durch logische Schlussfolgerungen den Täter findet, ist so antiquiert, dass er schon fast Kult ist. Heute geht nichts mehr über einen Serienmörder, der in akribischer Sorgfältigkeit seinem Opfer bei lebendigem Leib das Herz aussticht, um es den Göttern zu opfern, oder einen Killer, der regelmäßig bei Vollmond jungen asiatischen Prostituierten auflauert, sie bestialisch ermordet und ihren Leichnam den Geiern zum Fraß vorwirft.
Im gleichen Zeitraum, wie die Erwachsenenliteratur grausiger und sadistischer wurde, fordern diese Erwachsenen eine reine, kindliche und pädagogisch einwandfreie Kinder- und Jugendliteratur. Vorbei ist die Zeit, in der fünf Freunde einfach so in ein Abenteuer zogen, in dem sie gefangen genommen wurden, ja, sich sogar eine Waffe auf ihre Schläfe richtete. Plötzlich mischten sich die Erwachsenen ein, überwachten die Kinderbücher helikoptermäßig und fragten nach: Hat das Kind eigentlich den warmen Anorak angezogen? Hat es sich auch die Zähne nach dem Essen geputzt? Und vor allem: Hat es auch seiner Mutter Bescheid gesagt?
Wir Kinderbuchautoren bemühten uns in unseren Bücher um Spannung, die natürlich nur geschehen kann, wenn ein Kind seine eigenen Ideen durchsetzt, wenn es seiner eigenen Intuition und Logik folgt, wenn es nicht immer auf den klugen Rat der Erwachsenen hört, sondern ganz eigene Risiken eingeht. Doch wenn man darüber erzählt, wird man sofort abgemahnt: Was, wenn das Kind das nachmacht?
Plötzlich werden wir Autoren kritisch beäugt. Machen wir uns nicht schuldig an diesem bösen Leben, dem das Kind Tag für Tag ausgesetzt ist? Tragen wir nicht die Verantwortung dafür, dass ein Kind von dem Weg abkommt, den wir Erwachsenen uns wünschen?
Und parallel dazu fragen wir Autoren uns: Wie sollen wir denn eigentlich ein spannendes Buch schreiben, wenn der Protagonist sich plötzlich so strebermäßig korrekt verhalten soll? Dann hat sich ein Abenteuerbuch doch irgendwie von selbst erledigt, oder?