Dienstag, 24. April 2018

Zu Besuch in Pszczyna



Die letzte Station meiner Reise durch Polen ist eine hübsche Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna (spricht sich Ptschschöna). Hier am Lyzeum lädt man jeden Monat eine „besondere Person“ ein, um mit ihr über Berufe, Politik, Philosophie oder Kultur zu reden. Da mich die Lehrer und Schüler im vergangenen Jahr bei einer Lesung in Katowice kennengelernt hatten, meinten sie, es wäre doch schön, wenn ich in diesem Monat diese Person sein könnte (höhö!!!) Das hat mich sehr geehrt.

Ich habe dann in der Aula mit den Schülern, die schon sehr gut deutsch verstanden, von meinem Schreiben erzählt, meine Bücher vorgestellt und auch ein bisschen daraus gelesen. Dazu stellten viele Schüler interessante Fragen.
Auf den Fotos seht ihr mich im Gespräch mit der Fürstin Daisy von Pless, die ich auf dem Marktplatz getroffen habe ; )), außerdem mit der herzlichen Gastgeberin Aleksandra Dutkowska, eine der Deutschlehrerinnen, die mich eingeladen hat.


Samstag, 21. April 2018

Mal wieder in Polen



Nun melde ich mich mal wieder aus Polen. Ein Lyceum in dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen Pszczyna hat mich eingeladen. Lehrer und Schüler hatten mich im vergangenen Jahr an einer Schule in Katowice bei einer Lesung kennengelernt und mich gefragt, ob ich nicht auch mal zu einer Lesung an ihrem Lyceum vorbeikommen könnte.
Mein Mann und ich diskutieren eine Weile. Polen mögen wir beide sehr, und nach einigem hin und her beschließen wir, diese Lesung mit einem Kurzurlaub zu verbinden. Wir fahren zunächst nach Krakau und verbringen dort ein verlängertes Wochenende.

Krakau ist wunderschön. Das „Paris an der Weichsel“ wird es genannt, und das trifft es total. Die polnischen Städte haben irgendwie einen französischen Charme. Traurig ist leider nur, dass diese schreckliche deutsch-nationalsozialistische Vergangenheit hier so furchtbar zu spüren ist. Da bin ich fast froh, dass auch die Fabrik Oskar Schindlers  hier in Krakau stand.
Abends sind wir bei leckerem polnischen Essen und Klezmer Musik im jüdischen Viertel Krakaus essen, und das ist Gott sei Dank unglaublich lebendig und bunt.



Donnerstag, 19. April 2018

Deutsches Volksgut



Abends sitze ich noch mit Sohn und Schwiegertochter bei einem Sekt auf der Terrasse. Die Kinder liegen schon im Bett, dürfen aber noch ein Hörbuch hören. Nach zehn Minuten stehen sie beide wieder da. Das Hörbuch sei so gruselig. Da wäre eine Hexe, und die wollte den Hänsel im Ofen braten.
Ob man wirklich ein Kind im Ofen braten könnte?, fragt Tim ängstlich.
„So ein Quatsch!“, sage ich. „Das ist doch nur ein Märchen. Guck dir euren kleinen Ofen doch an. Da würde doch dein Popo noch rausgucken.“  Er ist einigermaßen beruhigt. Das Märchen aber wollen sie nicht weiterhören. Man einigt sich nun auf Bibi und Tina. Das ist ungefährlich.
Rotkäppchen! Da hätten sie ja wohl auch Steven Spielberg gucken können!

Montag, 16. April 2018

Als ich das Buch las



Um es gleich vorweg zu sagen: Ich lese sehr viel und sehr gerne. Dabei bin ich weder auf ein Genre, noch auf einen Autor festgelegt. Ich lese, was ich gerade geschenkt oder empfohlen bekomme oder was ich selbst entdecke. Allerdings muss ich zugeben, dass ich weibliche Autoren lieber als männliche lese.
Und ich muss euch auch beichten, dass die Zeiten, in denen ich ein Buch ganz entspannt lese, auch vorbei sind. Wenn das Buch so richtig gut ist, bin ich immer hin und hergerissen zwischen Neid und Bewunderung. Dann wünsche ich mir von ganzem Herzen, ich hätte auch so eine tolle Idee gehabt oder nehme mir vor, mal mehr an meinem Stil zu arbeiten, um meinen Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit zu erweitern. Wenn mir aber etwas an einem Buch unangenehm auffällt, habe ich Mühe, es weiterzulesen.
Auf der Suche nach einem neuen Buch streife ich durch eine Buchhandlung und gerate mit der Buchhändlerin in ein interessantes Gespräch. Sie rät mir eine Familiensaga in mehreren Bänden und ist sich ganz sicher, dass ich schon in der Nacht in das Buch abtauchen werde, um bereits am nächsten Tag den 2. Band zu kaufen. Ich freue mich sehr. Unsicher macht mich allerdings der männliche Autor, aber man soll ja auch Männern mal eine 2. Chance geben.
Das Buch ist seltsam distanziert geschrieben, und ich habe Mühe, einen Zugang zu bekommen. Die Sätze sind lang und wirken hölzern und konstruiert. Plötzlich fällt mir auf, dass in jedem 2. Satz eine Temporale Satzkonstruktion mit „als“ vorkommt. Als das bemerke, kann ich mich gar nicht mehr konzentrieren. Bei jedem neuen „als“ zucke ich zusammen. Ich frage mich, ob es stilistische Absicht des Autors war, oder ob der Lektor gepennt hat. Möglich ist natürlich auch, dass der Autor – typisch Mann – sich von der Lektorin – wahrscheinlich Frau - nichts sagen ließ und auf seine Als-Sätze beharrte.
Ich versuche, bei dem Buch am Ball zu bleiben und mehr auf den Inhalt zu achten, sage mir immer wieder, dass es in einem tollen Verlag erschienen ist und ein Spiegelbestseller ist. Aber das muss ich mir immer häufiger sagen, immer intensiver knirschen meine Zähne bei dem Wörtchen „als“.
Kurz vor dem Ende gebe ich auf. Zum 2. Band hat mich die Buchhändlerin nicht wiedergesehen.   



Mittwoch, 11. April 2018

Was es bedeutet, auf Lesereise zu sein



Lesereisen sind inspirierend und anstrengend zugleich. Jeden Tag befindet man sich an einer anderen Schule zum Lesen, dann geht es weiter auf die Autobahn. Ein neuer Ort, ein neues Hotel, ein neues Bett, früh aufstehen und die neue Schule suchen.
Trotz aller Anstrengung geht es in Österreich irgendwie gemütlich zu. Die Schüler sind sehr aufmerksam, die Lesungen sind gut organisiert, der Empfang ist freundlich und respektvoll.
Auch das Fahren macht Spaß, die Landschaft ist toll, das Wetter diesmal phänomenal, die Raststätten sauber. Niemand rast und überall gibt es einen Kaffee.
Die Orte, die ich anfahre, strahlen Lebendigkeit und Freundlichkeit aus. Fast überall bin ich mitten im Zentrum untergebracht. Natürlich gibt es immer ein bisschen Stress mit dem Parkplatz, dann aber bin ich überall gleich mittendrin im Geschehen. Das begeistert mich.

Montag, 9. April 2018

Über Wien in die Steiermark



Die Lesereise beginnt in Wien. Ich bin in eine Multikultischule geraten. Alle Hautfarben sowie Kopftücher in zahlreichen Variationen sind vorhanden, alle Schüler verfolgen die Lesung total ruhig und aufmerksam und alle – und das ist irgendwie witzig – sprechen mit einem Wiener Akzent. Eigentlich ist es ja total logisch, aber es ist trotzdem immer wieder eine Überraschung.
Von Wien aus geht es weiter in die Steiermark. Ich liebe es, durch Österreich zu fahren. 130 ist das perfekte Autobahntempo, die Raststätten sind sauber und überall gibt es einen Kaffee.
Am frühen Mittag komme ich in Frohnleiten an, und obwohl ich mir das Städtchen im Internet angeschaut habe, bin ich total überrascht, wie hübsch es ist. Eine besondere Überraschung bietet mein Hotel. Mein Zimmer hat einen kleinen Balkon und ich habe einen schönen Blick auf die Mur. So habe ich nachmittags tatsächlich ein bisschen Urlaubsfeeling.


Samstag, 7. April 2018

Unterwegs nach Österreich



Nun bin ich wieder unterwegs, eine Lesereise durch Österreich steht an. Die erste Station wird Wien sein, und weil die Fahrt zu weit ist, suche ich mir eine Unterbrechung für die Nacht. Meine Lieblings-Internetseite für die Suche heißt dabei: „Links und rechts der Autobahn.“ Hier habe ich schon schöne und vor allem zweckmäßige und preiswerte Übernachtungen gefunden. Diesmal suche ich links und rechts der A 3, auf Höhe Passau und lande in einem schönen Gasthof in einem bayrischen Örtchen. Zwiebelturm, leckere Brotzeit, ein kühles Helles und ein zügiger Internetanschluss – alles da.

Mittwoch, 4. April 2018

Die Pädagogisierung des Kinderbuches



Sehe nur ich das so, oder ist die Belletristik für Erwachsene irgendwie gruseliger, sadistischer, dramatischer und satirischer geworden? Ein Krimi, in dem ein Detektiv ermittelt und durch logische Schlussfolgerungen den Täter findet, ist so antiquiert, dass er schon fast Kult ist. Heute geht nichts mehr über einen Serienmörder, der in akribischer Sorgfältigkeit seinem Opfer bei lebendigem Leib das Herz aussticht, um es den Göttern zu opfern, oder einen Killer, der regelmäßig bei Vollmond jungen asiatischen Prostituierten auflauert, sie bestialisch ermordet und ihren Leichnam den Geiern zum Fraß vorwirft.
Im gleichen Zeitraum, wie die Erwachsenenliteratur grausiger und sadistischer wurde, fordern diese Erwachsenen eine reine, kindliche und pädagogisch einwandfreie Kinder- und Jugendliteratur. Vorbei ist die Zeit, in der fünf Freunde einfach so in ein Abenteuer zogen, in dem sie gefangen genommen wurden, ja, sich sogar eine Waffe auf ihre Schläfe richtete. Plötzlich mischten sich die Erwachsenen ein, überwachten die Kinderbücher helikoptermäßig und fragten nach: Hat das Kind eigentlich den warmen Anorak angezogen? Hat es sich auch die Zähne nach dem Essen geputzt? Und vor allem: Hat es auch seiner Mutter Bescheid gesagt?
Wir Kinderbuchautoren bemühten uns in unseren Bücher um Spannung, die natürlich nur geschehen kann, wenn ein Kind seine eigenen Ideen durchsetzt, wenn es seiner eigenen Intuition und Logik folgt, wenn es nicht immer auf den klugen Rat der Erwachsenen hört, sondern ganz eigene Risiken eingeht. Doch wenn man darüber erzählt, wird man sofort abgemahnt: Was, wenn das Kind das nachmacht?
Plötzlich werden wir Autoren kritisch beäugt. Machen wir uns nicht schuldig an diesem bösen Leben, dem das Kind Tag für Tag ausgesetzt ist? Tragen wir nicht die Verantwortung dafür, dass ein Kind von dem Weg abkommt, den wir Erwachsenen uns wünschen?
Und parallel dazu fragen wir Autoren uns: Wie sollen wir denn eigentlich ein spannendes Buch schreiben, wenn der Protagonist sich plötzlich so strebermäßig korrekt verhalten soll? Dann hat sich ein Abenteuerbuch doch irgendwie von selbst erledigt, oder?

Sonntag, 1. April 2018

Frohe Ostern



Ich grüße euch wieder von dem schönsten Campingplatz Deutschlands, auf dem ich mal wieder arbeitender Weise meine Osterferien verbringe. Einige Vorteile bringt das ja auch mit sich. So konnte ich an diesem Morgen gleich zwei kuscheligen Osterhasen begegnen, einer davon war sogar ganz in Rosa.
Ansonsten bin ich hier wieder in den Brötchenverkauf und das Kinderanimationsprogramm eingespannt. Aber ich habe mir den Job selbst gesucht, ihr müsst also kein Mitleid mit mir haben.
Allerdings schaffe ich im Moment mein Schreibprogramm von fünf Seiten vor dem Frühstück leider nicht. Ich bin morgens immer noch so furchtbar müde, und ich muss ja auch schon um 8.00 Uhr frisch gewaschen und gebügelt hinter der Brötchentheke stehen. Aber so viel zu schreiben ist im Moment sowieso nicht, und wenn man mal etwas anderes macht, entwickeln sich neue Geschichten.

Montag, 26. März 2018

Joe-Cocker-Imitation



Wenn ich mich in den letzten Tagen am Telefon mit meinem Namen melde, höre ich immer verwirrtes Schweigen, und dann fragt jemand nach: „Wer ist da bitte?“ Der Grund: Meine Stimme klingt so erotisch, dass man wahrscheinlich das Gefühl hat, man hätte versehentlich bei einer Erotik-Hotline angerufen. Seit einer Woche quäle ich mich, wie 75 % der Menschen in dieser Zeit, mit einer Erkältung herum, die seinesgleichen sucht. Aber man muss den Dingen etwas Positives abgewinnen. Wenn es bis morgen nicht besser ist, werde ich mich bei Voice of Germany zum Casting melden und Joe Cockers „You can leave yor hat on“ krähen. Damit käme ich garantiert ins Finale.

Donnerstag, 22. März 2018

Nils ist Doktor



Die schlimmsten Prüfungen sind die, die andere durchmachen, und bei denen man genau weiß, wie sie sich fühlen, ihnen aber nicht helfen kann.
Sohn Nils hatte gestern sein Rigorosum, die Verteidigung seiner Doktorarbeit. Sie hatte den beeindruckenden Titel: „Verstärkung nichtlinearer optischer Effekte durch plasmonische Nanoantennen.“
Nils war schon Tage vorher schrecklich aufgeregt. Einzig und allein zu wissen, dass ihn niemand reinreißen wollte, war ein schwacher Trost. Aber Prüfungen sind wie sie sind – man fühlt sich erst besser, wenn sie vorbei sind.
Als Mutter in der hinteren Reihe zu sitzen, mitleidig einerseits, aber auch stolz, weil er seinen Vortrag so eloquent hielt und voller Freunde, weil so viele gekommen waren, um zuzuhören und damit ihre Achtung zu zeigen, ist ein bewegender Moment. 

Von dem Vortrag habe ich nicht viel verstanden, aber es gab viele bunte Bilder, die sich hier und da aufklappten und alles irgendwie logisch machten. Außerdem hat mir das Wort „Flüstermoden“ gefallen. Ich weiß zwar nicht, was es bedeutet, aber ich habe es mal in meine Sammlung aufgenommen.
Zuletzt gab es Summa com laude, außerdem eine kleine Feier mit Sekt und Kuchen und einem ganz individuellen Doktorhut. Und jetzt ist er um mindestens hundert Kilo leichter.    


Dienstag, 20. März 2018

Treffen mit Freddie Schürheck


Meine Tante Hanna ist immer ein Besuch wert. Sie wohnt in Lemgo, der Stadt in der ich einen Teil meiner Jugend verbracht habe, und sie ist meine absolute Lieblingstante.
Während wir bei Strohsemmeln (Lippische Spezialität) und Kaffee zusammensitzen, trifft eine weitere Besucherin ein: Freddie Schürheck, die Tochter meiner Cousine Ulrike. Freddie sehe ich nur selten, aber ich höre sie oft. Sie ist nämlich Radiomoderatorin bei Eins live. Ich erkenne sie immer sofort an ihrer tiefen und angenehmen Stimme, und ich mag ihre Reportagen und Interviews.
Wir freuen uns, uns mal wieder im realen Leben zu treffen. Freddie hat immer viel zu erzählen, und wenn sie über ihren Beruf redet, blitzen ihre grünen Augen lebendig. Viele spannende Menschen hat sie schon im Interview gehabt: Campino von den Toten Hosen, Till Schweiger oder Max Forster, um nur einige zu nennen. Berührender aber, da sind wir uns sofort einig, sind die Interviews, bei denen Menschen aus ihrem eigenen und besonderen Leben erzählen und damit einen Einblick in ihre ganz private Welt geben, wie z. B. der Bericht über eine junge Frau, die auf eine Organspende wartet. Diese Interviews gehen unter die Haut, und die Kraft, die von den Interviewpartnern ausgeht, wirkt sich auch auf die Zuhörer aus. Das kann ich natürlich voll unterstreichen. Uns berühren Geschichten dann besonders, wenn sich auch unsere Ängste und Hoffnungen darin wiederspiegeln.

Samstag, 17. März 2018

Neue Homepage



Hier seht ihr meinen jüngsten Sohn Benny, meinen ganz persönlichen Homepagegestalter. Auch diesmal hat er mir wieder eine neue Seite gebastelt, die ihr hier anschauen könnt.

Benny arbeitet eigentlich als Eurythmielehrer an einer Waldorfschule in Herdecke, in seiner Freizeit aber sind er und seine Frau Sabrina oft mit der Kamera zu Fotoaufträgen unterwegs. Von ihnen und ihrer Arbeit erzähle ich euch mal, wenn sie mit ihrer eigenen Homepage endlich in die Gänge gekommen sind…

Mittwoch, 14. März 2018

Buch oder E-Book



Wenn ich ehrlich bin, liebe ich echte Bücher, so welche die sich blättern lassen und nach Papier riechen, Bücher mit einem bunten Cover, über das ich streichen kann und die mit einem gewissen Gewicht gut in der Hand liegen.
Aber E-Books sind leider so viel praktischer. Man ist auf Reisen und hat eine ganze Bibliothek in der Handtasche, und man kann sogar nachts lesen, ohne den Partner zu stören. So entscheide ich mich immer häufiger für das E-Book, zumal im Alter die Hintergrundbeleuchtung und die Vergrößerung der Schrift zu einem großen Leseargument anwächst.
Bei einem Besuch bringt mir eine liebe Freundin das Buch „Der Distelfink“ von Donna Tartt mit und will unbedingt wissen, wie mir das Buch gefällt. Ein Blick auf dieses dicke Buch und die unbeschreiblich dünnen Seiten und ich winke ab und lade mir das Buch als E-Book herunter. Es ist wundervoll, und die Tatsache, dass mir mein Reader anzeigt, dass ich 17 Stunden an dem Buch lesen werde, lassen mich in eine andere Dimension abtauchen. Ich leide mit dem Protagonisten mit und erfahre so viel über seine Welt der Gemälde und Antiquitäten. Immer noch hoffe ich für ihn und mich auf ein einigermaßen erträgliches Happy-End.
Als es bei dem Buch auf das Ende zugeht, werde ich unruhiger. Noch kann alles passieren, vielleicht sogar ein Happy End. 48 Minuten Lesezeit zeigt mein Reader. Doch in diesem Moment erscheint beim Weiterklicken der Seite das Wort „Danksagung“. Das Buch ist zu Ende. Nix mit 48 Seiten - mein Reader hat mich getäuscht. Dieser plötzliche und unerwartete Abbruch ist ein richtiger Schock. Jetzt stürze ich in eine große Lesekrise.
Das wäre mir mit einem echten Buch sicherlich nicht passiert.

Montag, 12. März 2018

Berlin – Berlin



Sonne und 17 Grad versprechen die Meteorologen. Der erste Frühlingstag steht an. Das ist die Zeit für Berlin.
Mein Cousin Matthias lebt hier. Er freut sich. „Friedrichstraße? Ich hole dich ab!“
Es ist unglaublich. Noch vor drei Tagen hatten wir Schnee in der Lausitz. Jetzt gehen wir unter den Linden spazieren und bestaunen die Sonne und den blauen Himmel. Am Brandenburger Tor ist immer total viel los, aber diesmal sind die Leute total ausgeflippt. Gruppen positionieren sich zum antiken Hintergrund, der Selfiestick wird ausgefahren.
Der Winter ist vorbei, und wir … haben überlebt.



Dienstag, 6. März 2018

Zuverlässiger Arbeiter im Weinberg




Ich gehöre zu den zuverlässigen Autoren. Noch nie – in Worten NIE – habe ich einen Abgabetermin versäumt. Im Gegenteil bin ich meistens schon lange vor dem Abgabetermin fertig. Das liegt einmal daran, dass ich so wahnsinnig gerne schreibe, zum anderen aber auch daran, dass ich jetzt, wo ich hauptberuflich Autor bin, auch die Zeit dazu habe.  
Aber schon früher konnte ich mir meine Schreibzeit gut einteilen. Für die 2. Staatsexamensarbeit zum Beispiel bekamen wir 14 Tage Tippferien, die alle zum Schreiben verwendeten, (die Sportler warfen ihre Arbeit sogar am Stichtag um Punkt Mitternacht bei der Post ein – Sportler eben!) Ich dagegen hatte die Arbeit schon lange vor den Tippferien kopiert und gebunden in dreifacher Ausfertigung an verschiedenen Orten platziert, (für den Fall, dass in einer Wohnung ein Brand ausbrach und alles vernichtete) und nutzte die Zeit, um einmal von Kiel bis Passau längs durch Deutschland zu fahren und Freunde zu besuchen. Das konnte ich allerdings keinem erzählen, man hätte mich für völlig durchgeknallt gehalten bzw. als Streber verschrien.
Um so mehr traf mich die Mail am vergangenen Mittwoch wie ein Hammer. Ich hatte gerade an einer Raststätte angehalten, das Brötchen im Mund, den Kaffee to go an der Seite, nebenbei die Mail lesend … „Wann können wir wohl mit der Arbeitskartei zu dem Roman rechnen. Abgabetermin war ja der 28.2.“  Das Brötchen bleibt mir fast im Hals stecken.  Der Kaffee schwappt bedenklich … Waaaaas? Hilfe! Was mache ich jetzt? Zeitschleife, wo bist du?
Lisa Hartmann vom Verlag an der Ruhr bleibt cool. „Nicht so schlimm. Kann doch passieren“, versucht sie mich zu trösten. „Wäre nur schön, wenn…“
Natürlich wäre das schön…
Ich klotze ran und gebe alles. Schlaf wird ja sowieso überbewertet.
Gerade habe ich die Kartei auf den Weg gebracht.

Donnerstag, 1. März 2018

Ost-Ghouta in Syrien

Damaskus


Wenn man jemanden kennt, der aus einem Kriegsgebiet kommt, bekommt der Krieg plötzlich ein persönliches Gesicht.  Wenn man weiß, da verschanzt sich eine Familie irgendwo in einem Keller und muss Todesängste aushalten, sieht man ausgebombte Straßenzüge mit einem ganz anderen Entsetzen. Wo in Gottes Namen kann man sich denn hier verstecken, denkt man sich. Und wenn die Meldung über den Bildschirm tickert: Zivilisten verletzt, ein Kind kam ums Leben, dann denkt man mit großer Angst an diese Familie.
Seif Arsalan, der Jugendliche, den ich bei Schreiben des Buches „Aus Syrien geflüchtet“ begleitet habe, kommt aus Duma, die größte Stadt in Ost-Ghouta, die im Moment trotz verordneter Waffenruhe täglichen Bombenangriffen ausgesetzt ist.
Seif ist 2015 zusammen mit seiner Mutter nach Deutschland geflohen, erlebte unglaublich gefährliche Momente auf seiner Flucht, aber auch intensive Freundschaften, lebt nun in Sicherheit und findet in Gedanken an den Rest seiner Familie doch keine Ruhe.
Sein Buch hilft dem Leser zu verstehen, was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen und sie doch nicht loslassen zu können.

Dienstag, 27. Februar 2018

Lesung in Gräfenroda



Gräfenroda liegt 20 Kilometer von Gotha entfernt, ein kleines hübsches Städtchen mitten im Thüringer Wald. 

Mit der Schulleiterin Beate Lasse, Schulleiterin der Grundschule an der der Burglehne, verbindet mich eine besondere Freundschaft. Als sie hörte, dass ich wieder in Thüringen war, lud sie mich direkt wieder an ihre Schule ein. 

Die 4. Schuljahre hatten sich zu echten Annette-Weber-Experten entwickelt, sie kannten ganz viele Bücher von mir und wussten so viel über mich. Auch war ich beeindruckt, wie gut sie zuhörten, und wie klug sie bei den kleinen Wettbewerben zu punkten wussten.

Guckt mal, das ist doch eine gute Idee, den Schülern das Einmaleins nahe zu bringen, oder?


Das Abschlussgeschenk war eine echte Überraschung.

Samstag, 24. Februar 2018

Am Ende ist Schluss



Nun habe ich auch meine Abschlusslesung in Gotha hinter mich gebracht. Es war eine kleine, aber feine Verabschiedung. Sicherlich wären mehr Gäste gekommen, wenn eine Staffelübergabe an die neue Stadtschreiberin stattgefunden hätte, da sie aber erst im Juli ihren Dienst antreten wird, war sie nicht erschienen.
Die netten Menschen, die sich aber im Rathaussaal einfanden, waren mir in diesem Jahr in Gotha liebe Weggefährten gewesen, sodass ich mich sehr gefreut habe, sie wiederzusehen. Ich las aus meinen Kolumnen und Blogbeiträgen und hatte sie so zusammengestellt, dass sie einen Überblick über das Jahr gaben.
Zuletzt stand dann der endgültige Abschied an – Bücher, Blumen und Süßigkeiten, eine Scheurebe an liebe Erinnerungen weinseliger Abende. Ich werde diese Zeit in lieber Erinnerung in meinem Herzen haben.




Donnerstag, 22. Februar 2018

Abschlusslesung in Gotha



Nun werde ich offiziell aus meiner Stadtschreiberstelle in Gotha entlassen und verabschiede mit heute Abend mit einer Lesung aus dem Buch „Gotha auf den 2. Blick“, in dem die Kolumnen und Fotos, die ich in dieser Zeit gemacht habe, zusammengetragen werden.
Mein Mann und ich haben uns – aus verschiedenen Richtungen Deutschlands kommend -  mittags auf dem Hauptmarkt verabredet, um hier in Gotha drei Tage gemeinsam zu verbringen. Aus praktischen Gründen haben wir uns ein Hotel genommen, und doch führt uns der Weg immer wieder an meiner Stadtschreiberwohnung vorbei. Überhaupt ist mir in Gotha jeder Winkel vertraut. Das fühlt sich gut, aber auch ein bisschen wehmütig an.
Heute stehen Treffen mit zwei lieben Freundinnen an, abends ist dann die Staffelübergabe an die neue Stadtschreiberin. Meine Nachfolgerin Annabella Gmeiner wird allerdings erst im Juli nach Gotha kommen, sodass der Leseabend heute mir und meinem Abschied gewidmet ist.
Auf dem Foto unten habt ihr noch mal einen Blick auf meine Stadtschreiberwohnung aus der Perspektive der Pizzeria von gegenüber.




Montag, 19. Februar 2018

Begleitung



An diesen wunderschönen sonnigen Wintertagen vermisse ich unseren Hund am meisten. Ich musste nur mit der Leine wackeln, dann war er sofort bereit zu einem Spaziergang, je länger, desto besser. Und er hatte immer gute Laune dabei. Jetzt muss ich überreden oder organisieren, bis ich jemanden gefunden habe, der genauso viel Lust dazu hat wie ich.  Dahin ist die Spontaneität des Alltags.
Heute hatte ich Glück. Gerade als ich vom Einkauf zurückkam, machte sich eine befreundete Nachbarin mit ihrem Hund auf einen Spaziergang. „Warte, ich komme mit!“, konnte ich noch brüllen. Sie warteten geduldig auf mich und nahmen mich in ihre Mitte. Und zu meiner großen Freude machten sie eine große Runde mit mir!

Mittwoch, 14. Februar 2018

Aus Syrien geflüchtet


Da ist er nun, der neue Klar-Reality-Roman des syrischen Jugendlichen, der sich Seif Arsalan nennt. Er beschreibt in diesem Roman zunächst sein Leben in Syrien, den Alltag, die Familie und schließlich die Veränderungen durch den Krieg. Als das Leben dort immer gefährlicher wird, macht sich Seif mit seiner Mutter auf eine dramatische Flucht. Viele schwere und lebensbedrohliche Entscheidungen stehen an, die ihn dazu zwingen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, bis er schließlich in Deutschland ankommt. Doch auch hier warten viele Probleme auf ihn, aber er erfährt auch Hilfsbereitschaft und Unterstützung.
Ich freue mich, Seif bei diesem Roman betreut zu haben, und hoffe sehr, dass euch seine Geschichte genauso ans Herz geht, wie mir.  

Mittwoch, 7. Februar 2018

Autokorrektur



Wahrscheinlich seid ihr schon alle viel weiter als ich. Ich hatte bislang die Autokorrektur meines Handys ausgestellt, weil sie alles besser wusste und ich plötzlich Whats-Apps abschickte, die ich nie geschrieben hatte. Nun aber, mit Blick auf die Menschen um mich, die so viel schneller schrieben als ich, habe ich sie wieder angestellt. Zu meinem großen Entsetzten muss ich feststellen, dass mein Handy immer schon weiß, was ich schreiben will. Schreibe ich also: „Vielen…“ bietet es mir „Dank“ an und setzt auch gleich „für“ und „das Geschenk“ hinterher.  Okay, denke ich. Das scheint ja auch logisch zu sein. Also schreibe ich weiter.
„Ich bin im Moment im In…“  
„Indoorpark“, bietet es mir als Wort an.
Hilfe, denke ich. Woher weiß es das?
„…in Cottbus“, schreibt es weiter.
Und tatsächlich sitze ich genau da an einem Tisch und langweile mich, während die Enkelkinder auf dem Trampolin herumtoben.
Kein Wunder, denke ich. Ich habe ja auch mein GPS an, weil ich mittlerweile gar nicht mehr weiß, wie ich es ausschalten kann. Ist also klar, dass mein Programm weiß, was ich schreiben will. Also gebe ich auf, mich immer wieder zu wundern, tippe und erkenne an, dass das Handy die Worte so treffend formuliert.
„Bis bald“, schreibe ich zuletzt. „Liebe …“  
„… Grüße Annette“, fügt es hinzu.
Okay. Den nächsten Roman sollte ich vielleicht meinem Smartphone überlassen. 

Donnerstag, 1. Februar 2018

Kontakt zu Hasan Tas


Wieder sind liebe Schülerbriefe für Hasan Tas gekommen, und weiß, wie sehr er sich darüber freuen würde, dass die Schüler so liebevoll Anteil an seinem Leben nehmen. Leider habe ich seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr zu ihm. Der letzte Brief an ihn kam zurück, im sozialen Netzwerk ist Hasan verschollen, und seine Mutter antwortet mir nicht.
Ich mache mich auf die mühsame Suche nach ihm, durchforste die Facebook-Freundesliste der Mutter und versuche, mich an Namen zu erinnern, die Hasan erwähnt haben könnte. Schließlich sehe ich in der Liste einen Frauennamen, der mir bekannt vorkommt, und als ich mir das Foto genauer anschaue, glaube ich, eine Ähnlichkeit zwischen ihr und Hasan erkennen zu können. Ich schreibe sie an, und tatsächlich ist sie seine Schwester. Sie antwortet auch gleich, schreibt aber auch, dass sie keinen Kontakt zu Hasan habe und seine Adresse nicht kenne. Das hört sich nicht gut an. Die Sorge, Hasan könnte wieder im Gefängnis sitzen, überkommt mich. Schließlich ist die Rückfallquote unter den entlassenen Häftlingen riesig. Ich schreibe ihr erneut und frage ganz direkt, ob Hasan wieder einsitzt. Es kommt eine empörte Antwort. Natürlich sitzt er nicht ein (*Steinvomherzkuller), es gehe ihm gut und er lebe mit seiner Freundin zusammen und habe ein schönes Leben.
Sie vermittelt mir schließlich einen Kontakt zu Hasans älterem Bruder. Von ihm erfahre ich Hasans Adresse und mit Hasans Einverständnis auch die Handynummer. Und dann habe ich ihn endlich an der Leitung. Wie ich mich freue! Er klingt cool und witzig, wie immer.
Ja, es geht ihm tatsächlich sehr gut. Er arbeitet als Zerspanungsmechaniker und verdient gutes Geld. Außerdem hat er lange mit seiner Freundin zusammengelebt. Nun allerdings steht die Trennung an, und er ist gerade wieder Single. Musik macht er leider nicht mehr, dazu fehlt die Zeit, aber er hört immer noch gerne Rap. Der Kriminalität hat er schon lange abgeschworen, und er lacht, als ich ihm erzähle, dass ich mir Sorgen gemacht habe, er säße wieder ein.
„Frau Weber, Sie wissen doch!“, ruft er fröhlich. „Sie können sich auf mich verlassen.“ Ja, das kann ich echt!
„Grüßen Sie mir alle, die meine Bücher lesen“, sagt er noch. Das habe ich hiermit getan. 

Dienstag, 30. Januar 2018

Zweitjob


In einer schnelllebigen Welt wie dieser, in der man zu den Old-Schoolern gehört, wenn man nicht in der Lage ist, eine Whatsapp mit zwei Daumen zu schreiben, sollte man auf alle Fälle mehrere Jobs im Ärmel haben.
Zwei konnte ich bisher vorweisen, aber der Trend geht zum Dritten.
Nun habe ich einen weiteren: Ich bin Aquatrainerin. Wehe ihr glaubt mir nicht. Schaut euch das Foto an. Das ist der Beweis!

Wie kommt die denn darauf? werdet ihr euch sicherlich fragen. Naja, das Leben treibt manchmal seltsame Blüten. Einige, die den Blog regelmäßig lesen, wissen vielleicht, dass ich in allen Ferienzeiten auf dem Campingplatz meiner Familie im Spreewald aushelfe. Hier wird in diesem Winter eine Wellnessanlage mit Sauna und Pool gebaut, und da lag die Überlegung auf der Hand: Wäre doch schön, wenn im kommenden Sommer morgens Aquatraining stattfinden würde.
Meine Schwiegertochter Nicole und ich recherchierten im Netz und fanden eine Wochenendausbildung, die uns zu diesem Job befähigen sollte. Todesmutig wie Unerfahrene nun mal sind, meldeten wir uns zu dem Kurs an. Er fand in einem schicken Sportstudio nördlich von Berlin statt – und unter den Teilnehmern waren fast nur Physiotherapeuten, unter ihnen zahlreiche junge Männer mit einem Oberkörper wie Arnold Schwarzenegger. Nicole und ich mussten uns ziemlich viel Mut zusprechen, den Kurs durchzuhalten, besonders als es darum ging, eine Trainingseinheit vorzubereiten und mit genau dieser Zielgruppe durchzuführen.


Wir schafften es – nicht zuletzt weil wir aufmunternde Hilfe bekamen. Nach dem Wochenende waren wir total happy und knochenkaputt.
Aber ganz ehrlich: Noch mal muss ich das nicht haben. Da schreibe ich doch lieber eine Buchserie.