Montag, 26. März 2018

Joe-Cocker-Imitation



Wenn ich mich in den letzten Tagen am Telefon mit meinem Namen melde, höre ich immer verwirrtes Schweigen, und dann fragt jemand nach: „Wer ist da bitte?“ Der Grund: Meine Stimme klingt so erotisch, dass man wahrscheinlich das Gefühl hat, man hätte versehentlich bei einer Erotik-Hotline angerufen. Seit einer Woche quäle ich mich, wie 75 % der Menschen in dieser Zeit, mit einer Erkältung herum, die seinesgleichen sucht. Aber man muss den Dingen etwas Positives abgewinnen. Wenn es bis morgen nicht besser ist, werde ich mich bei Voice of Germany zum Casting melden und Joe Cockers „You can leave yor hat on“ krähen. Damit käme ich garantiert ins Finale.

Donnerstag, 22. März 2018

Nils ist Doktor



Die schlimmsten Prüfungen sind die, die andere durchmachen, und bei denen man genau weiß, wie sie sich fühlen, ihnen aber nicht helfen kann.
Sohn Nils hatte gestern sein Rigorosum, die Verteidigung seiner Doktorarbeit. Sie hatte den beeindruckenden Titel: „Verstärkung nichtlinearer optischer Effekte durch plasmonische Nanoantennen.“
Nils war schon Tage vorher schrecklich aufgeregt. Einzig und allein zu wissen, dass ihn niemand reinreißen wollte, war ein schwacher Trost. Aber Prüfungen sind wie sie sind – man fühlt sich erst besser, wenn sie vorbei sind.
Als Mutter in der hinteren Reihe zu sitzen, mitleidig einerseits, aber auch stolz, weil er seinen Vortrag so eloquent hielt und voller Freunde, weil so viele gekommen waren, um zuzuhören und damit ihre Achtung zu zeigen, ist ein bewegender Moment. 

Von dem Vortrag habe ich nicht viel verstanden, aber es gab viele bunte Bilder, die sich hier und da aufklappten und alles irgendwie logisch machten. Außerdem hat mir das Wort „Flüstermoden“ gefallen. Ich weiß zwar nicht, was es bedeutet, aber ich habe es mal in meine Sammlung aufgenommen.
Zuletzt gab es Summa com laude, außerdem eine kleine Feier mit Sekt und Kuchen und einem ganz individuellen Doktorhut. Und jetzt ist er um mindestens hundert Kilo leichter.    


Dienstag, 20. März 2018

Treffen mit Freddie Schürheck


Meine Tante Hanna ist immer ein Besuch wert. Sie wohnt in Lemgo, der Stadt in der ich einen Teil meiner Jugend verbracht habe, und sie ist meine absolute Lieblingstante.
Während wir bei Strohsemmeln (Lippische Spezialität) und Kaffee zusammensitzen, trifft eine weitere Besucherin ein: Freddie Schürheck, die Tochter meiner Cousine Ulrike. Freddie sehe ich nur selten, aber ich höre sie oft. Sie ist nämlich Radiomoderatorin bei Eins live. Ich erkenne sie immer sofort an ihrer tiefen und angenehmen Stimme, und ich mag ihre Reportagen und Interviews.
Wir freuen uns, uns mal wieder im realen Leben zu treffen. Freddie hat immer viel zu erzählen, und wenn sie über ihren Beruf redet, blitzen ihre grünen Augen lebendig. Viele spannende Menschen hat sie schon im Interview gehabt: Campino von den Toten Hosen, Till Schweiger oder Max Forster, um nur einige zu nennen. Berührender aber, da sind wir uns sofort einig, sind die Interviews, bei denen Menschen aus ihrem eigenen und besonderen Leben erzählen und damit einen Einblick in ihre ganz private Welt geben, wie z. B. der Bericht über eine junge Frau, die auf eine Organspende wartet. Diese Interviews gehen unter die Haut, und die Kraft, die von den Interviewpartnern ausgeht, wirkt sich auch auf die Zuhörer aus. Das kann ich natürlich voll unterstreichen. Uns berühren Geschichten dann besonders, wenn sich auch unsere Ängste und Hoffnungen darin wiederspiegeln.

Samstag, 17. März 2018

Neue Homepage



Hier seht ihr meinen jüngsten Sohn Benny, meinen ganz persönlichen Homepagegestalter. Auch diesmal hat er mir wieder eine neue Seite gebastelt, die ihr hier anschauen könnt.

Benny arbeitet eigentlich als Eurythmielehrer an einer Waldorfschule in Herdecke, in seiner Freizeit aber sind er und seine Frau Sabrina oft mit der Kamera zu Fotoaufträgen unterwegs. Von ihnen und ihrer Arbeit erzähle ich euch mal, wenn sie mit ihrer eigenen Homepage endlich in die Gänge gekommen sind…

Mittwoch, 14. März 2018

Buch oder E-Book



Wenn ich ehrlich bin, liebe ich echte Bücher, so welche die sich blättern lassen und nach Papier riechen, Bücher mit einem bunten Cover, über das ich streichen kann und die mit einem gewissen Gewicht gut in der Hand liegen.
Aber E-Books sind leider so viel praktischer. Man ist auf Reisen und hat eine ganze Bibliothek in der Handtasche, und man kann sogar nachts lesen, ohne den Partner zu stören. So entscheide ich mich immer häufiger für das E-Book, zumal im Alter die Hintergrundbeleuchtung und die Vergrößerung der Schrift zu einem großen Leseargument anwächst.
Bei einem Besuch bringt mir eine liebe Freundin das Buch „Der Distelfink“ von Donna Tartt mit und will unbedingt wissen, wie mir das Buch gefällt. Ein Blick auf dieses dicke Buch und die unbeschreiblich dünnen Seiten und ich winke ab und lade mir das Buch als E-Book herunter. Es ist wundervoll, und die Tatsache, dass mir mein Reader anzeigt, dass ich 17 Stunden an dem Buch lesen werde, lassen mich in eine andere Dimension abtauchen. Ich leide mit dem Protagonisten mit und erfahre so viel über seine Welt der Gemälde und Antiquitäten. Immer noch hoffe ich für ihn und mich auf ein einigermaßen erträgliches Happy-End.
Als es bei dem Buch auf das Ende zugeht, werde ich unruhiger. Noch kann alles passieren, vielleicht sogar ein Happy End. 48 Minuten Lesezeit zeigt mein Reader. Doch in diesem Moment erscheint beim Weiterklicken der Seite das Wort „Danksagung“. Das Buch ist zu Ende. Nix mit 48 Seiten - mein Reader hat mich getäuscht. Dieser plötzliche und unerwartete Abbruch ist ein richtiger Schock. Jetzt stürze ich in eine große Lesekrise.
Das wäre mir mit einem echten Buch sicherlich nicht passiert.

Montag, 12. März 2018

Berlin – Berlin



Sonne und 17 Grad versprechen die Meteorologen. Der erste Frühlingstag steht an. Das ist die Zeit für Berlin.
Mein Cousin Matthias lebt hier. Er freut sich. „Friedrichstraße? Ich hole dich ab!“
Es ist unglaublich. Noch vor drei Tagen hatten wir Schnee in der Lausitz. Jetzt gehen wir unter den Linden spazieren und bestaunen die Sonne und den blauen Himmel. Am Brandenburger Tor ist immer total viel los, aber diesmal sind die Leute total ausgeflippt. Gruppen positionieren sich zum antiken Hintergrund, der Selfiestick wird ausgefahren.
Der Winter ist vorbei, und wir … haben überlebt.



Dienstag, 6. März 2018

Zuverlässiger Arbeiter im Weinberg




Ich gehöre zu den zuverlässigen Autoren. Noch nie – in Worten NIE – habe ich einen Abgabetermin versäumt. Im Gegenteil bin ich meistens schon lange vor dem Abgabetermin fertig. Das liegt einmal daran, dass ich so wahnsinnig gerne schreibe, zum anderen aber auch daran, dass ich jetzt, wo ich hauptberuflich Autor bin, auch die Zeit dazu habe.  
Aber schon früher konnte ich mir meine Schreibzeit gut einteilen. Für die 2. Staatsexamensarbeit zum Beispiel bekamen wir 14 Tage Tippferien, die alle zum Schreiben verwendeten, (die Sportler warfen ihre Arbeit sogar am Stichtag um Punkt Mitternacht bei der Post ein – Sportler eben!) Ich dagegen hatte die Arbeit schon lange vor den Tippferien kopiert und gebunden in dreifacher Ausfertigung an verschiedenen Orten platziert, (für den Fall, dass in einer Wohnung ein Brand ausbrach und alles vernichtete) und nutzte die Zeit, um einmal von Kiel bis Passau längs durch Deutschland zu fahren und Freunde zu besuchen. Das konnte ich allerdings keinem erzählen, man hätte mich für völlig durchgeknallt gehalten bzw. als Streber verschrien.
Um so mehr traf mich die Mail am vergangenen Mittwoch wie ein Hammer. Ich hatte gerade an einer Raststätte angehalten, das Brötchen im Mund, den Kaffee to go an der Seite, nebenbei die Mail lesend … „Wann können wir wohl mit der Arbeitskartei zu dem Roman rechnen. Abgabetermin war ja der 28.2.“  Das Brötchen bleibt mir fast im Hals stecken.  Der Kaffee schwappt bedenklich … Waaaaas? Hilfe! Was mache ich jetzt? Zeitschleife, wo bist du?
Lisa Hartmann vom Verlag an der Ruhr bleibt cool. „Nicht so schlimm. Kann doch passieren“, versucht sie mich zu trösten. „Wäre nur schön, wenn…“
Natürlich wäre das schön…
Ich klotze ran und gebe alles. Schlaf wird ja sowieso überbewertet.
Gerade habe ich die Kartei auf den Weg gebracht.

Donnerstag, 1. März 2018

Ost-Ghouta in Syrien

Damaskus


Wenn man jemanden kennt, der aus einem Kriegsgebiet kommt, bekommt der Krieg plötzlich ein persönliches Gesicht.  Wenn man weiß, da verschanzt sich eine Familie irgendwo in einem Keller und muss Todesängste aushalten, sieht man ausgebombte Straßenzüge mit einem ganz anderen Entsetzen. Wo in Gottes Namen kann man sich denn hier verstecken, denkt man sich. Und wenn die Meldung über den Bildschirm tickert: Zivilisten verletzt, ein Kind kam ums Leben, dann denkt man mit großer Angst an diese Familie.
Seif Arsalan, der Jugendliche, den ich bei Schreiben des Buches „Aus Syrien geflüchtet“ begleitet habe, kommt aus Duma, die größte Stadt in Ost-Ghouta, die im Moment trotz verordneter Waffenruhe täglichen Bombenangriffen ausgesetzt ist.
Seif ist 2015 zusammen mit seiner Mutter nach Deutschland geflohen, erlebte unglaublich gefährliche Momente auf seiner Flucht, aber auch intensive Freundschaften, lebt nun in Sicherheit und findet in Gedanken an den Rest seiner Familie doch keine Ruhe.
Sein Buch hilft dem Leser zu verstehen, was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen und sie doch nicht loslassen zu können.